Unser Paule
Unser Paule
Mautlos aber nicht Mutlos
Mautlos aber nicht Mutlos

07.09.2018 Mont St. Michel

Zu unserer Entscheidung, die dazu geführt hat, dass wir in diesem Jahr, statt in unser geliebtes Kroatien zu fahren, Frankreich einen Besuch abzustatten, hat die Wettervorhersage. Sie hatte auf wetter.com immer gutes Wetter und für den 07.09., dem Tag, an dem wir Mont St. Michel besichtigen wollten, sogar sonniges Wetter versprochen. Diese Hoffnungen wurden nachts durch immer wieder auftretenden Regen empfindlich gestört. Wir blieben deshalb bis 10 Uhr morgens im Bett, da wir ja sowieso nichts versäumen würden und die paar Stunden auf dem Mont St. Michel früher oder später, das war uns dann bei den trüben Wetteraussichten vollkommen egal.

Als wir uns aber ans morgendliche Kaffeetrinken und frühstücken machten, erspähten wir am Horizont kleinere blaue Himmelsflecken. Würde es doch noch ein sonniger Tag werden? Am Meer geht sowas ja immer sehr schnell. Tatsächlich die Wolken lockerten sich immer mehr auf und das Blau des Himmels kam immer mehr zum Vorschein. Also doch ein sonniger Tag, bei dem wir einen unserer Hauptziele unserer Frankreichrundfahrt erkunden wollten.

Mit einem Bus, der ca. 300 m vom Campingplatz entfernt abfährt, kamen wir bis vor den Eingang. Es war erst 12 Uhr und vor uns unzählige Menschen, Menschenmassen, die alle das Gleiche wollten wie wir – einen Rundgang durch die berühmteste Sehenswürdigkeit Frankreichs. 

Die Sage meint, dass dem Bischof Aubert der Erzengel Michael empfohlen habe, auf dem Mont-Tombe ein Heiligtum zu seinen Ehren errichten solle. Das tat der Bischof Aubert dann im Jahr 708. Es wurde rasch eine bedeutende Wallfahrtsstätte und etwas später ließen sich dort die Benediktiner nieder. Es entwickelte sich unterhalb der Abtei am Berg ein kleines Dorf, durch das sich heute die vielen Besucher Schulter an Schulter den Hügel hinaufarbeiten. 

Es geht vorbei an allerlei Geschäften, Restaurants, die alle etwas für die Touristen zu bieten haben.

Ich hatte extra meine große Kamera mitgenommen, um ja nichts von dem Gebotenen zu versäumen. Ein Bild nach dem anderen, ein Foto jagte das nächste. 

Bis – ja bis ich merkte, dass ich keine Speicherkarte in der Kamera hatte. Das durfte ja nicht wahr sein!!!! Ich hatte sie gestern Abend entfernt, um für diesen Reiseblog ein paar Bilder zu kopieren und vergessen, sie wieder in die Kamera zu stecken. Ich ärgerte mich maßlos über mich selbst. Aber was soll´s? Ich machte dann alle Fotos mit dem Handy. Eingedenk der Tatsache, dass der Akku dann umso schneller leer wird, machte ich doch noch über 100 Fotos. Ich hatte sogar das große Teleobjektiv mitgenommen. Nun schleppte ich die schwere Kamera mitsamt dem Teleobjektiv den Berg hinauf und wieder hinunter. Strafe für meine Kleingläubigkeit bezüglich der Wettervorhersage? Sorry, wetter.com. 

Wir hatten uns bereits am Campingplatz die Eintrittskarten gekauft und mussten uns an der Kasse zur Abtei nicht anstellen. Als wir an den Wartenden vorbeiliefen, begannen diese sich in aller Herren Länder Sprachen zu beschweren. Ich winkte mit meinen bereits erworbenen Tickets und lächelte allen freundlich zu. Erntete dafür aber keinen Beifall. Nun ging es durch die Abtei,

Treppe hoch, Treppe runter – heißt hier Le Grand Degré.

Dann kamen wir endlich auf die Westterrasse, der ehemalige Kirchplatz der Abteikirche. Es bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die gesamte Bucht.

Die Abteikirche vor der wir standen, wurde auf der Spitze des Felsens 80 m über dem Meeresspiegel auf einer langen Plattform angelegt. Das Langschiff hat einen dreiteiligen Aufriss: Arkade, Empore und Obergaden (Fensterzone im oberen Teil des Mittelschiffs)

Im Kreuzgang lässt eine doppelte Reihe leicht versetzter Säulchen immer neue Perspektiven entstehen.

Im Refektorium nahmen die Mönche ihre Mahlzeit schweigend ein, während einer von ihnen von der Kanzel an der Südmauer vorlas. Von den Seitenmauern wird der Saal durch enge, vom Eingang aus nicht sichtbare Fenster erhellt.

Der Gästesaal, der genau unter dem Refektorium liegt diente zum Empfang der Könige und Adeligen.

Die Krypta der dicken Pfeiler wurde Mitte des 15. Jh. errichtet, um den gotischen Chor der Abteikirche abzustützen.

Die St.-Martins-Krypta wurde im elften Jahrhundert gebaut, um dem Südarm des Querhauses der Abteikirche als Fundament zu dienen. Das Gewölbe dieser Krypta hat eine Tragweite von 9 m.

Von der St.-Martins-Krypta betritt man durch einen kleinen Durchgang den ehemaligen Karner* der Mönche, in dem sich seit 1820 ein riesiges Rad befindet. Damit wurde die Nahrung für die Gefangenen heraufgezogen, als die Abtei als Gefängnis diente.

Mit dem Rittersaal betritt man wieder die “Merveille”. Er wurde errichtet, um den Kreuzgang zu tragen, u. diente als Arbeits- u. Studierraum für die Mönche.

Mit der Almosenkammer unter dem Gästesaal endet unser kleiner Rundgang über den Mont St. Michel. In der Almosenkammer empfingen die Mönche Arme und Pilger.

Wieder im Freien und immer bergab gehend sehen wir, dass der Mont St. Michel Als uneinnehmbare Verteidigungsanlage im Hundertjährigen Krieg ein Beispiel militärischer Architektur ist. Seine Wälle und Befestigungen trotzten jedem englischen Ansturm.

Nach unserem Nachmittagskaffee, den wir uns redlich verdient hatten ging es noch einmal durch die engen Gassen und durch die unzähligen Besucher, vorbei am Restaurant Madame Poularde, das berühmt ist für seine Omeletts, kaman wir an die Haltestelle des „Le Passeur“, ein kostenloser Pendelbus, der uns zum Besucherzentrum des Mont St. Michel brachte.

Das letzte Stück gingen wir auf Wunsch der besten aller Ehefrauen zu Fuß und hatten noch etliche schöne Ausblicke auf diese eigenartige Klosterinsel.

Mont St. Michel - überlaufen wie Neuschwanstein, abgenutzt wie Rothenburg o.d. Tauber, profitgierig wie das Heidelberger Schloss - ist ein überaus lohnenswertes Ziel. Wer in Frankreich ist und die Gelegenheit hat, diese im Meer gelegene "Felsspitzabtei" zu besuchen, der sollte es auf jeden Fall tun. Es bleibt trotz aller nicht so positiven Eindrücke einfach ein Erlebnis.

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© Ulrich Schönbein