Unser Paule
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Mautlos aber nicht Mutlos
Mautlos aber nicht Mutlos

Ausflug nach Porec

Natürlich blieben wir nicht nur am Platz. Ein Ausflug nach Porec, das nur etwa 6 km entfernt liegt, war, außer zum Einkaufen, auch zur wiederholten Besichtigungstour fällig.

Wir fuhren also die paar Kilometer mit unseren Rädern vom Campingplatz Ulika, die Anhöhe über einen Schotterweg hinunter ans Meer und von da zuerst durch eine parkähnliche Anlage bis in die Stadtmitte. Unserer Räder ließen wir abgeschlossen am Stadtrand zurück.

Die Geschmacklosigkeit in Bild 5 will ich natürlich nicht vorenthalten. Über Porec selbst habe ich in meinen letzten Berichten schon geschrieben, so dass alles nur Wiederholung wäre.

Auf eine, in dem Reiseführer "Istrien kennenlernen..." von Elke und Hans-Dieter Kaspar, 1994 im Korient-Verlag Kaspar, erschienen Reiseschilderung will ich dennoch nicht verzichten:

 

"Die Halbinsel, auf der sich heute die Stadt Porec (Parenzo) erstreckt, wurde schon von den Histrern als Stützpunkt genutzt. Aus diesem Schlupfwinkel stießen sie mit ihren schnellen Booten in die Adria vor und kaperten römische Handelsschiffe. Nach ihrem Sieg über diesen illyrischen Stamm gründeten die Römer hier eine Kolonie, der sie den Namen Parentium gaben. Früh zog das Christentum in die Stadt ein, bereits im 3. Jh. wird ein erster Bischof mit Namen Maurus erwähnt. Die Ostgoten, die sich nach dem Untergang des Weströmischen Reiches festsetzten, haben keine Spuren hinterlas­sen. Den Byzantinern, die im Jahr 538 das Gebiet eroberten und es dem Exarchat Ravenna zuschlugen, verdanken wir die wundervolle Euphrasius-Basilika. Im späten 8. Jh. kam die Stadt zum Fränkischen Reich, 1262 zur Markus-Republik und 1792 zur Do­naumonarchie. Während der österreichischen Herr­schaft war Porec die Hauptstadt von Istrien, in deren Mauern der Sabor (Landtag) tagte.

Porec ist eine Perle, deren ganze Pracht erst zu Tage tritt, wenn wir unsere Schritte in die Altstadt lenken. Der Spaziergang ist eine Wanderung durch die Stadtgeschichte. Die Römer haben ein Tempelensemble, die Byzantiner eine der schönsten Kirchen Europas hinterlassen. Die Menschen des Mittelalters wollten dem nicht nachstehen und schufen ein Stadtbild voller Harmonie. Auf dem von Millionen von Schuhen blank und glatt polierten Steinpflaster schlendern wir durch die Dekumana ulica, die von prachtvollen Häusern flankiert wird. Die verschwenderisch gestalteten Fassaden künden vom einstigen Reichtum der Stadt und vom Selbstwertgefühl ihrer Bürger.

In einem stilvollen alten Palast in der Dekumana ulica Nr. 9 ist das sehenswerte Museum untergebracht. Die Räumlichkeiten im Erdgeschoß präsentieren vorgeschichtliche Funde. Aus den mehr als 60 im Umland von Porec ausfindig gemachten Castellieri werden Keramiken und Bronzearbeiten vorgestellt. Durch ein prächtiges Steinportal betreten wir den Saal im Obergeschoß. Hier bewundern wir antike Möbel und erlesene Gemälde. In zwei weiteren Räumen betrachten wir Funde aus der römischen Epoche: Mosaike, Statuen und Gebrauchsgegenstände. Im Innenhof besichtigen wir Architekturfragmente, Inschriften und Wappenplatten aus römischer Zeit und aus dem Mittelalter. Alle Exponate sind ausführlich beschrieben und ansprechend dekoriert.

Höhepunkt unserer Stadtbesichtigung ist ohne Zweifel die Euphrasius-Basilika. Wir erreichen sie am Ende einer engen Gasse, die von der Dekumana ulica nach Norden verläuft. Das Gotteshaus wurde zur Zeit der byzantinischen Herrschaft von Bischof Euphrasius zwischen 543 und 554 auf den Fundamenten zweier älterer Kirchen aus dem 4. bzw. 5. Jh. errichtet. Die erste Basilika entstand wohl in der zweiten Hälfte des 4. Jh. Sie war dem ersten Bischof der Stadt, dem Hl. Maurus, geweiht, der um das Jahr 303 den Märtyrertod starb.

In den Säulenhallen, die das Atrium umgeben, sind Objekte altchristlicher Kunst ausgestellt, so ein steinerner Bischofsthron aus dem 9. Jh. und bemerkenswerte Votivplatten. Alle Säulen sind mit herrlichen Kapitellen bedeckt, die ihre byzantinische Herkunft nicht verleugnen können. Im Westen schließt ein achteckiges Baptisterium an. Vom marmornen Taufbecken haben sich nur einige Fragmente erhalten. Es lohnt sich, den im 15. Jh. errichteten Glockenturm zu besteigen. Von seiner obersten Plattform können wir den ganzen Baukomplex überschauen und einen Blick über die roten Dächer der Stadt, auf die wunderbare Küstenlandschaft und auf das Meer werfen. Aus dieser luftigen Höhe sind auch die restaurierten Mosaiken an der Westfront der Basilika gut sichtbar. Rechts und links sind jeweils zwei Heilige wiedergegeben, zwischen den Fenstern drei bzw. vier Leuchter. Die Darstellung am Giebel - Christus auf dem Erdball und die 12 Apostel - ist kaum noch wahrnehmbar.

Beim Eintritt in die Basilika wird unser Blick magisch von den Mosaiken auf dem Triumphbogen und in der Apsis angezogen. Sie können sich mit ihren berühmten Vorbildern in Istanbul und Ravenna durchaus messen. Auf dem Triumphbogen erkennen wir Christus mit den 12 Aposteln, in der Laibung das Lamm Gottes und Heiligenbüsten in Medaillons. Besonders prachtvoll ist die Apsis gestaltet. Oberhalb der umlaufenden Priesterbank, mit der Kathedra im Zentrum, ist die Rundung mit kostbaren Marmorplatten verkleidet, die mit farbigen Einlegearbeiten dekoriert sind. Darüber erscheint das Bildnis der Gottesmutter, flankiert von den Darstellungen der Heimsuchung und der Verkündigung.

In der Hauptkuppel hat sich Euphrasius mit einer Inschrift und als Stifter verewigt. Dieser Bischof war nicht gerade ein demütiger Kirchenfürst, sondern eine temperamentvolle Persönlichkeit, ein Ketzer, der mit dem Papst ständig im Streit lag. Doch betrachten wir uns die Szene der Reihe nach. Ganz links sehen wir einen Bruder des Bischofs, den Erzdiakon Claudius, neben ihm einen Knaben, Euphrasius Junior, dann folgt der Bischof. Er hält das Modell seiner Kirche. Ihm zur Seite steht der Märtyrer Maurus. Die Personen lassen sich deshalb so gut identifizieren, weil sie durch Inschriften kenntlich gemacht sind. Herzstück der Komposition ist die auf einem Thron sitzende Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Schoß; sie wird von zwei Engeln gerahmt. Bei genauerem Hinschauen bemerken wir über dem Kopf Mariens die Hand Gottes, die aus den Wolken herausgreift, um sie mit dem Kranz des Ewigen Ruhms zu krönen. Auf der rechten Seite sind drei unbekannte Märtyrer plaziert. Sie waren Euphrasius wohl nicht wichtig genug, um sie durch ihren Namenszug aufzuwerten.

Herrliche Mosaikfragmente haben sich in den beiden Seitenapsiden erhalten. In der rechten Apsis krönt Jesus die Bischöfe Vitalis und Severus, in der linken die zwei heiligen Ärzte Kosmas und Damian, deren Kult in Byzanz sehr verbreitet war.

Der Altarraum ist von Schrankenplatten eingefaßt, die mit eindrucksvollen Reliefs geschmückt sind. Das mit Heiligenfiguren verzierte Antependium ist ein Kunstwerk des 15. Jh. Vom Ziborium der Basilika des Euphrasius überdauerten nur die Säulen und die kunstvoll gestalteten Kapitelle. Der Baldachin mit dem goldfunkelnden Mosaik der Verkündigung entstand im Jahr 1277. Sowohl im Altarraum als auch im Bereich des südlichen Seitenschiffs sind bemerkenswerte Teilstücke der alten Fußbodenmosaiken aus dem 5. und 6. Jh. zu besichtigen.

Zwei herrliche Säulenreihen mit prächtigen, verschieden ausgeführten Kapitellen, trennen das Mittelschiff von den Seitenschiffen. Wunderschön sind die Schmuckornamente in den Laibungen der Arkaden des nördlichen Seitenschiffs, die zu den dekorativsten Beispielen byzantinischer Steinmetzkunst zählen.

Freskenreste aus dem Mittelalter und weitere Bodenmosaiken sind an verschiedenen Stellen des Gotteshauses freigelegt worden. Interessant ist ein an der Nordwand - unter dem heutigen Bodenniveau - gelegener Waschplatz der zweiten Basilika aus dem 5. Jh. Hier wusch der Bischof jeweils am Gründonnerstag zwölf Armen oder Alten die Füße.

Noch älter ist der Mosaikfußboden, den wir nördlich des Gotteshauses betrachten können. Er stammt aus der ersten Basilika des 4. Jh. Neben außergewöhnlich schönen geometrischen Mustern und Blumenmotiven blieb auch das altchristliche Symbol eines Fisches erhalten.

Bei unserem Bummel durch die Dekumana ulica nach Westen kommen wir an vielen Bürgerhäusern und Adelspalästen vorbei, deren verblichener Glanz heute noch beeindruckt. Auch das älteste in der Romanik erbaute Haus finden wir hier. Fast an der Spitze der Halbinsel errichteten die Römer ihr Forum und zwei Tempel, von denen geringe Reste überdauert haben. An den rechten Tempel, der dem Neptun geweiht war, erinnern noch der Sockel und mehrere Säulen, an den linken, der dem Mars gewidmet war, ein reich geschmücktes Giebelfeld.

Für den Rückweg wählen wir die zum Hafen führende Uferpromenade, auf der stets ein buntes Treiben herrscht. Hier treffen wir auf die besten Fischrestaurants und auf viele Straßencafés. Zu der nur 300 m vor der Küste gelegenen Insel Sveti Nikola besteht ein regelmäßiger Fährverkehr. Auf dem Eiland mit seinen sauberen Fels- und Kieselstränden erstreckt sich ein großer, von Pinienwäldern eingerahmter Hotelkomplex.

Die Touristenzone von Porec dehnt sich entlang vieler kleiner Buchten kilometerweit nach Süden aus. Die bekanntesten Zentren sind Plava Laguna und Zelena Laguna. Hier wechseln sich Hotels mit Bungalow- und Appartementsiedlungen und Campingplätzen ab, hier gibt es eine Vielzahl von Sport- und Unterhaltungsmöglichkeiten."

 

Vielleicht regt die eine oder andere Schilderung des Sehenswerten noch einmal zu einem Besuch des Städtchen an der kroatischen Adria ein.

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© Ulrich Schönbein