Unser Paule
Unser Paule
Mautlos aber nicht Mutlos
Mautlos aber nicht Mutlos

Ge´ma - Ge´ma

21.06.2017

Wie gestern, kamen wir auch heute gegen 11:45 Uhr in der Stadtmitte Wien an. Wir fuhren mit der U-Bahn bis zum Karlsplatz. Beim Hinausgehen aus der Station wurden wir von einer Fahrausweiskontrolle angehalten. Ich hatte den Kontrolleur zuerst nicht bemerkt und bin an ihm vorbeigelaufen. Die beste aller Ehefrauen rief mich zurück und der Kontrolleur meinte, dafür, dass ich einfach an ihm vorbeigelaufen sei, müsste ich gleich 103 Euro bezahlen. Ok, das war ein typischer Wienwitz. Da wir als brave ordentliche deutsche Bürger vor der Fahrt ein Ticket gekauft hatten, präsentierte ich ihm das und er wünschte uns einen schönen Aufenthalt in Wien. „Wenn `S da aussi geh`n, gleich links, dann sehn `S schon die erst´n Bud´n“ war seine Antwort auf unsere Frage nach dem Naschmarkt. Wir liefen natürlich rechts und gerade in die entgegengesetzte Richtung und landeten an der Karlskirche, die wir sonst wahrscheinlich nicht gesehen hätten.

 

 

Bei der Gelegenheit kamen wir auch noch gleich am Secessionsgebäude vorbei. Es dienst als Ausstellungsgebäude für zeitgenössische Kunst und ist mit seiner goldenen Kuppel äußerst eindrucksvoll.

 

Nach vielen Fragen an studentische Einheimische, einheimische Studenten, einheimische Ausländer, ausländische Einheimische und schließlich einheimische Einheimische fanden wir den Zugang zum Naschmarkt. Der Naschmarkt ist für Wien in etwa das, was für München der Viktualienmarkt ist. Verkaufsstand an Verkaufsstand.

Allenthalben wird einem etwas entgegengestreckt „Kommen Sie, probieren Sie!“ Durch etwa zwei Meter breite Gassen bewegten wir uns zwischen den Buden hindurch. Angeboten wurde alles, was das lukullische Herz begehrt. Fleisch, Fisch, Wurst, Gewürz, Süßigkeiten, Wein – eine Standauslage schöner als die andere. Bunt durcheinander oder nach Farbton sortiert, genauso wie es dem Bud`nbetreiber gefiel, so präsentierte sich der Naschmarkt.

Wir schlenderten bis ans andere Ende des Marktes und sahen das riesige Angebot: Öle, Essige, Falafel, Bioobst neben Würstlbuden, Speiselokale für Fisch, Palatschinken, aber auch Gegenstände für die Zubereitung des Gekauften wurden feilgeboten. Wie heißt es doch? „Was es am Naschmark nicht gibt, brauchen Sie nicht.“

An der linken Wienzeile bewunderte ich die herrlichsten Jugendstilbauten mit ihren frisch renovierten Fassaden. Es sind die Mietshäuser, die Otto Wagner 1898/1899 hier bauen ließ. Sie stechen aus der Reihe der anderen Häuser hervor und man kann sich gar nicht satt sehen an den schönsten Jugenstilverzierungen und –statuen.

Letztendlich setzten wir uns in eines der Lokale, einmal um der Hitze und Schwüle (weit über 30° C bei 0 Windgeschwindigkeit) zu entrinnen und um unseren Flüssigkeitsverlust wieder wettzumachen. Ein Hefeweizen und ein „G`spritzter“ brachten uns wieder auf die Beine.

Wir machten uns auf zu unserem letzten Wien-Ziel: dem Café Sacher. Das Café Sacher liegt nicht weit vom Naschmarkt entfernt. Etwa 10 Minuten zu Fuß und wir standen vor dem Café Sacher. Es wurde gerade „…für Sie…“ umgebaut und man konnte, wenn man wollte eine „Original-Sacher-Torte“ in einem Verkaufscontainer in der Kärntnerstraße erstehen. Als wir in das Café gehen wollten, sahen wir, dass vor dem Lokal die Menschen anstanden, damit ihnen ein Platz zugewiesen werde. „Wir weisen Ihnen gerne einen Platz zu. Bitte gedulden Sie sich“ war auf polierten Messingschildern, die neben dem Eingang standen, zu lesen. 

 

Wir erkundigten uns an den Getränkekarten nach den Preisen für eine „Mélange“ oder einen „Verlängerten“. Die Karte „rief“ uns einen touristisch „leicht“ überhöhten Preis entgegen. Aber für eine normale, keine große, Tasse Kaffee so viel zu bezahlen wie für ein ganzes Pfund sehr guten Bohnenkaffees war mir der Besuch eines der berühmtesten Cafés der Welt wert. Eine Original-Sacher-Torte und eine Mélange im Café Sacher.  Das sind die Dinge, die zu einem Urlaub in einer der schönsten Hauptstätte Europas gehören.

Es war heiß und unerträglich in der Stadt, unsere Geldbörse hatte nach diesem Kaffee- und Tortengenuss Durchfall und selbst der Gedanke daran, dass wir wohl so schnell nicht mehr nach Wien kämen, hielt uns nicht davon ab, die Heimfahrt zum Wohnmobilstellplatz anzutreten.

Deshalb auch nur noch auf die Schnelle die umliegenden Sehenswürdigkeiten:

 

 

 

 

 

...das Reiterstandbild Kaiser Franz Josef I.

 

 

 

 

 

... Hridlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus

 

 

 

... Wiener Staatsoper

 

 

 

 

 

... Reiterstatue auf dem Dach der Wiener Staatsoper.

Schon seit zwei Tagen klagte die beste aller Ehefrauen über heftige Zahnschmerzen. Wir diskutieren darüber, ob wir die Urlaubsfahrt abbrechen und nach Hause fahren, damit eine gründliche Zahnbehandlung erfolgen kann. Sie hatte schon vor dem Urlaub Probleme, aber die verschwanden nach einer Behandlung, so dass wir glücklich waren, als sie schmerzfrei war und wir mit Paule starten konnten. Gestern kamen die Schmerzen zurück. Am Abend verwies der Rezeptions-Mitarbeiter des Stellplatzes auf einen Zahnarzt gleich gegenüber des Platzes. Kein Auslandskrankenschein dabei (Michael Mittermaier lässt grüßen). Wird aber auch nicht mehr benötigt. Auf der Rückseite der Krankenversicherungskarte ist vermerkt, dass es sich um eine Europäische Krankenversicherungskarte handele. Nachdem das geklärt war und meine Frau die Praxis aufsuchte, wurde sie noch am Abend behandelt. Es war bereits nach 19:30 Uhr am Abend. Spritzen, Zahn abschleifen, Antibiotika und Schmerztabletten sollen den Entzündungsherd am Kiefer besiegen. Wir könnten, so meinte die Ärztin, die Reise fortsetzen, denn bei vorgeschriebener Einnahme der Tabletten müsste die Entzündung schnell abklingen.

 

In dieser freundlichen und netten Praxis wurde meiner Ehefrau zu weiteren zwei Wochen fast unbeschwerten Urlaubes schnell und unkompliziert verholfen.

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© Ulrich Schönbein