Unser Paule
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Mautlos aber nicht Mutlos
Mautlos aber nicht Mutlos

Prag, die Goldene

17.06.2017

Heute war es soweit. Wir wollten in die Stadt – nach Prag. Dazu kauften wir uns an der Rezeption des Campingplatzes ein 24-Stunden-Ticket für das öffentliche Nahverkehrsnetz von Prag. Wir hatten gestern bei der Ankunft am Campingplatz einen schriftlichen Hinweis - sogar in deutscher Sprache darüber erhalten, wie wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt kommen können.

Wir kamen gegen 11:00 Uhr vom Platz und brauchten ca. 5 Minuten zu Fuß zur Haltestelle „Lihovar“. Nach einer Fahrt von etwa 20 Minuten in der Tram der Linie 12 stiegen wir bei "malostranské námestí" aus.

Beim Ausstieg aus der Tram, vor uns Turm und Kuppel der Nikolauskirche, marschieren wir in die entgegengesetzte Richtung zu unserem heutigen Erstziel - die Karlsbrücke. Bevor wir aber die Karlsbrücke überqueren, erstehe ich in einem der vielen kleinen Geschäfte einen Panoramastadtplan von Prag. Auf dessen Rückseite sind die Sehenswürdigkeiten von Prag mit Bild und Text gut beschrieben. 

Wir passieren zahlreiche Touristenlädchen, kommen an Ausganspunkten für die vielen angebotenen Stadtrundfahrten, auch mit Oldtimern, vorbei und dann stehen wir vor den Kleinseitner Brückentürmen.

Außer uns interessierten sich noch hunderte - tausende? - von Pragbesuchern für die Stadt und vor allem für den Gang über Karlsbrücke.

Die Erklärungen auf der Rückseite des Panoramaplanes waren überaus hilfreich bei der Identifizierung der vielen Steinfiguren auf der Brücke.

Die Karlsbrücke und ihre Brückenheiligen

Nebenbei bemerkt, nur in Regensburg und Würzburg gab es im Mittelalter vergleichbare Flussüberquerungen. Karl IV. soll der Legende nach seinen Hofastrologen beauftragt haben, den idealen Zeitpunkt des Baubeginns zu bestimmen – im Jahr 1357 am 9. Tag des 7. Monats um 5 Uhr 31. Ein magisches Datum: Die Zahlen hintereinander geschrieben ergeben die Reihe 1-3-5-7-9-7-5-3-1. Ein numerus reciprocus - das fügt der architektonischen Herrlichkeit ein gutes Stück Mystik hinzu.

Gücksbringer

Um bei der Mystik zu bleiben. Inmitten der Brücke ist ein schmiedeeisernes Gitter, das an den heiligen Johannes von Nepomuk erinnert. Man sieht darauf Nepomuk in der Moldau untergehen, die fünf Sterne über ihm stehen für das lateinische Wort „tacui“, zu Deutsch: "Ich habe geschwiegen." Angeblich starb Nepomuk, Generalvikar des St.-Veits-Doms, weil er das Beichtgeheimnis wahrte und sich lieber zu Tode foltern ließ, als es zu verraten. Doch diese Geschichte wurde wohl von der Kirche erfunden. Wahrscheinlicher ist, dass Nepomuk, der ein Zeitgenosse des Reformators Jan Hus war, sich im Streit um die weltliche und kirchliche Macht gegen den König gestellt und sich Befehlen widersetzt hatte. Das Berühren der Figur und der in der Mauer eingelassenen Sterne soll Glück bringen.

Mit einem Wort: alles aufregend und eindrucksvoll. Trotz der vielen Menschen. Nachdem wir die Brücke nach etwa einer dreiviertel Stunden überquert hatten, kamen wir, nachdem wir den riesigen Torbogen durchschritten, auf den Kreuzherrenplatz wo wir die 4 Meter hohe Statue Kaiser Karls IV. sowie die Kirche der Kreuzherren und die Salvatorkirche bewundern konnten.

 

 

 

Durch die Gassen von Prag, natürlich die, die alle Touristen benutzen, wenn sie in die innere Altstadt kommen wollen, schlenderten wir ...

 

 

 

... vorbei an "Schlangenfänger" Nr.1

 

 

 

 

 

 

 

... und "Schlangenfänger" Nr. 2

zum Altstädter Rathaus und bewunderten die Astronomische Turmuhr der St. Michaels Kirche. Eine ausführliche Erklärung der Geschichte, der Allegorien, des Aufbaus der Uhr und der Funktionsweise ist auf Wikipedia zu finden.

Dahinter von dem großen Platz Staromestské namésti (Altstädter Ring) aus der Blick auf die Türme der Kirche Jungfrau Maria. Auf dem Platz das Denkmal für den Reformator Jan Hus, der während des Konstanzer Konzils im 15. Jahrhundert trotz des Papstes Zusicherung freien Geleits als Ketzer verbrannt wurde. Vorbei an der Kirche gingen wir über die celetná zum Pulverturm am Platz der Republik. In der celetná hatten die Eltern Franz Kafkas ihren Großhandel.

Gleich hinter dem Pulverturm steht das Gemeindehaus Obecní Dum. Es ist ein Meisterwerk des Prager Jugenstils. An der prachtvollen Jugendstilfassade ist, je länger man sie betrachtet, immer wieder Neues zu entdecken. Das Haus ist heute ein Ort für Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte, Sitz des Prager Symphonieorchesters.

Eine gute Beschreibung des Gebäudes mit seiner Geschichte ist hier nachzulesen.

Der Wenzelplatz war zugestellt mit Zelten und Buden, eine Harley-Davidson Motorradgruppe verursachte einen Höllenlärm. Zwischendurch der übliche Wettbewerb: Wer kann besser Gas geben und dabei den meisten Lärm erzeugen. Uns verlockte nur ein wunderbar zubereiteter Cappuccino, noch etwas am Rande des Platzes zu verbleiben.

Mittlerweile schon ziemlich müde strolchten wir weiter zum Nationaltheater. Gegenüber ist das bekannte Café Slavia, in dem wir morgen unseren Nachmittagskaffee genießen wollen.

Dann am Ufer der Moldau die ganze „Masarykovo nabrezi“ entlang Häuser mit den herrlichsten und unterschiedlichsten Jugendstielfassaden. Wir wollten eigentlich über die Legionenbrücke wieder auf die Seite, auf der unsere Tram heimwärts fährt, aber wegen dieser prächtigen Fassaden liefen wir vorbei am Kleinseitner Wasserturm ...

... zur „Stefanikova“, dem tanzenden Haus vor der Jurasek Brücke.

Über die Brücke und wir kamen an ein, wenn auch nicht typisches, so doch tschechisches Restaurant. „Andél“, was soviel wie Engel bedeutet, war der Name der Gaststätte. Schweinebraten mit Tiroler Knödel und ein Pilsener Urquell und die ca. 10 km, die wir bei der heutigen Besichtigungstour zurückgelegt hatten, waren vergessen. 

Die Linie 12 brachte uns dann von der Haltestelle "Andél" zurück in den Vorort Smichov zur Haltestelle Lihovar, das restliche Stück zum Stellplatz zu Fuß.

Unser heutiger Stadtrundgang

Ergänzend zu den Bemerkungen zum Stellplatz: Die Sanitäranlagen sind in ordentlichem Zustand. Es gibt eine Entsorgungsmöglichkeit für die Chemietoilette. Im Duschraum gibt es keine Duschkabinen. Man duscht in einem einzigen großen Raum. Für manche gewöhnungsbedürftig, aber nicht weiter schlimm, wenn man die Zeiten wahrnimmt, in denen die Wenigsten duschen.

Es macht alles - wie auf jedem Stell- oder Campingplatz - einen „benutzten“ Eindruck. Solange die Sanitärräume gründlich gereinigt werden und sauber sind, ist aber alles ok.

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© Ulrich Schönbein