Unser Paule
Unser Paule
Mautlos aber nicht Mutlos
Mautlos aber nicht Mutlos

2. Tag - Neunkirchen bis Ljubljana

Wir hatten von unserem Sohn seinen ausrangierten Kaffeevollautomaten geschenkt bekommen. Heute war der Tag, an dem die neue Errungenschaft ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen musste. Das konnte gleichzeitig ein Stresstest der Stromnetzabsicherung des Stellplatzes sein. Sowohl die Maschine als auch das Stromnetz bestanden den Stresstest mit Bravour und wir hatten nun auch in unserem bescheidenen Wohnmobil einen Hauch von Luxus: herrlich duftender Kaffee aus frischgemahlenen Bohnen - schlichtweg phantastisch. Gert bekam natürlich auch eine frisch gebrühte Tasse. Hanne verfuhr ganz nach dem Motto "If you are in Rome, do as the Romans do." und begnügte sich stilgemäß mit ihrem Camper-Kaffee aus der Siebstempelkanne.

Wir wollten heute über den Felbertauernpass bis Spittal an der Drau, dann an der Ostseite des Millstätter Sees entlang und nach dem Karawankentunnel zu unserem nächsten Tagesziel Ljubljana.

Fahrstrecke 300 km

Aber zunächst durch den Felbertauerntunnel. Die Straße ist seit dem großen Erdrutsch vor einigen Jahren komplett neu gebaut. Die alte Straße hat man teilweise erhalten, um bei evtl. Bauarbeiten eine Umleitungsmöglichkeit zu haben. Die neue Passstraße ist bei weitem nicht mehr so steil und eng. Man kann sie mit dem Wohnmobil sehr gut sowohl bergauf als auch bergab befahren.

Nach weiterem zweimaligem Wegzoll (Karawankentunnel, Vignette für Slowenien) hatten wir ein paar Stunden später Ljubljana erreicht. Durch den dichten Feierabendverkehr um die Stadt Ljubljana herum - es war immerhin Freitag Nachmittag - kamen wir nach Sostro. Schon bei der Planung hatte ich auf der Webseite von http://meinwomo.net/ einen Wohnmobilstellplatz in Sostro, einem Vorort von Ljubljana, ausfindig gemacht. Er hatte ausnahmslos gute Kritiken. Deshalb hatte ich vor der Abfahrt von zu Hause aus per E-Mail zwei Stellplätze reserviert. Die Reservierung funktionierte ohne Probleme - und das in deutscher Sprache. Schon am Tag darauf erhielt ich die positive Nachricht vom Platzbetreiber.

Als wir ankamen sah ich, dass für uns auf dem kleinen Hof einer Gastwirtschaft zwei wirklich schöne nebeneinander liegende Plätze reserviert waren. Es gab auch eine kleine bescheidene Sitzgelegenheit. Bei entsprechendem Wetter hätten wir dort frühstücken können. Wir waren rundum zufrieden, vor allem ich, da bei der guten Belegung des Stellplatzes die Reservierung goldrichtig gewesen war.

Bei der Ankunft war der Platz mit einer Kette verschlossen. Sie wurde von einem der Mitarbeiter geöffnet und wir konnten auf unsere Plätze fahren. Wie auf allen Stellplätzen gab es natürlich zahlreiche Hinweise, auch Gebote und Verbote, ohne die es, wie überall, einfach nicht geht, weil die Menschen überaus unterschiedliche Auffassungen und Verhaltensweisen an den Tag legen.

Da die Webseite des Gasthauses "Pri Kovacu", was auf deutsch soviel wie "Zum Schmied" heißt, nur in slowenisch ist und diese auch nicht so viel Aussagekraft für Wohnmobilisten hat, sei auf die Webseite der Camperseite "MeinWomo" verwiesen. Dort gibt es noch ein paar Informationen zu dem Stellplatz. Grundsätzlich ist der Stellplatz sehr zu empfehlen, wenn man die Stadt Ljubljana besichtigen will oder auch nur ein oder zwei Tage bleiben will.

Da wir bislang immer nur an Ljubljana vorbeigefahren sind, wollten wir heute die Stadt besichtigen. Gert und Hanne wollten sich die (Tor)Tour mit der Stadtbesichtigung nicht antun und blieben am Stellplatz zurück. Elisabeth und ich entschieden uns, mit dem Bus in die Stadt zu fahren. In der Gastwirtschaft kann man das Busticket (hin und zurück) für 2,40 Euro kaufen. Die Gebühr wird auf eine Karte übertragen. Die Karte hält man dann beim Einstiegen an ein Lesegerät, das beim Busfahrer steht. Die Leihgebühr für die Karte beträgt 2 Euro. Die erhält man wieder bei der Rückgabe der Karte. Die Bushaltestelle ist gerade mal 50 m vom Stellplatz entfernt, genau gegenüber der Gaststätte. Die Linie 13 fährt in die Stadt und man steigt am besten bei der Haltestelle „Zmajski Most“ (=Drachenbrücke) aus - es ist die 19 Station.

 

 

Dann lediglich über die Drachenbrücke über die Ljubljanica, so heißt das Flüsschen, das der Stadt den Namen gab, und schon ist man mitten in der Altstadt und kann sich treiben lassen. Die Brücke wurde 1888 zu Ehren der 40-jährigen Herrschaft des Kaisers Franz Josef I. gebaut.

 

Der Drachen ist das Wappentier der Stadt Ljubljana. Die Legende sagt, wenn eine Jungfrau die Brücke überquerte, dann würden die Drachen mit ihren Schwänzen wedeln. Zumindest als wir dort waren, hat kein Drache gewedelt.

Wir schlenderten zuerst an der Ljubljanica entlang. Ein Restaurant nach dem anderen. Was mir besonders auffiel, war, dass kaum ältere Menschen im scheinbaren Rentenalter die Restaurants oder Cafés besetzten. Es waren in der Mehrzahl jüngere Frauen und Männer. Ganz anders wie bei uns in den Großstädten. Dort sieht man überwiegend ältere Menschen, die es sich gut gehen lassen. Woran das wohl liegen mag? Ljubljana hat Atmosphäre, es erinnert an Wien oder Budapest. Auf alle Fälle ist es eine schöne Stadt. Da wir nicht mehr viel Zeit hatten, weil wir noch mit Gert und Hanne beim Schmied essen wollten, beschränkten wir uns auf die unmittelbaren Sehenswürdigkeiten, deren Pracht wir lediglich mit einem Blick auf die Fassade genossen.

Wir schlenderten an der Ljubljanca entlang bis zum Kongresni trg (=Kongressplatz), überquerten die Cevljarski most (=Schusterbrücke) und gingen auf der anderen Seite des Stadtflusses zurück. Wir kamen zwar an den Drei-Brücken vorbei, haben deren Besichtigunswert aber überhaupt nicht registriert. Kurze Stops vor den prächtigen Hausfassaden, ein kurzer Besuch der Nikolaikirche …

 

 

 

Anlässlich des Besuchs von Papst Johannes Paul II. wurden zwei massive Bronzetüren mit Reliefdarstellungen der slowenischen Geschichte und der Bischöfe von Ljubljana angebracht.

 

 

… ausgiebige Bewunderung des „Robba-Brunnen“. Er steht am Rande des Stadtplatzes (Mestni trg) und wurde in den Jahren 1743-51 von dem venezianischen Bildhauer und Architekten Francesco Robba geschaffen. Die drei Figuren von Flussgöttern auf dem Brunnen symbolisieren die drei Flüsse des Landes Krain: Save, Ljubljanica und Krka.

Als wir zur Bushaltestelle aufbrachen, um zurückzufahren, kamen wir über den Pogačarjev trg, der sich vor den Plecnik´s Kolonaden befindet. Jeden Freitag kommen zahlreiche Hungrige auf diesen Platz, um die sog. „Odprta kuhna“, die offene Küche, zu genießen. Auf den Open-Air-Markt bieten die Restaurants der Stadt Kostproben ihrer Speisen an und das angeblich zu moderaten Preisen. Eine Phalanx von Bier und Wein-Ständen rundet das Ganze ab. Also nichts wie weg, da alles so verlockend aussah und duftete. Wir hatten ja versprochen, zusammen mit Gert und Hanne beim Schmied zu abend zu essen.

Nach 20 Minuten waren wir wieder am Platz. Im Restaurant hatten wir dann nur die Wahl zwischen „spare ribs“ und „Schweinshaxe“. Auch auf Nachfrage meinte der Ober, dass es nur diese beiden Gerichte gäbe. Das war bei dem ansonsten perfekten Stellplatz und auch den Versprechungen auf der Internetseite eine herbe Enttäuschung. Andere Gerichte konnte man angeblich nicht bestellen, obwohl später doch an Einheimische Pizza serviert wurde. Da das Essen aber reichlich war und mit 10 Euro im preislichen Rahmen blieb, war es dann auch wieder o.k. Heimlich bedauerte ich, dass wir die „Open-Air-Küche“ in Ljubljana nicht genossen hatten. Aber man kann nicht alles haben.

Auf alle Fälle wird das nicht unser letzter Besuch in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana gewesen sein. Es heißt ja auch, dass der Name der Stadt sich von ljubljena („geliebte Stadt“) ableitet.

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© Ulrich Schönbein