Unser Paule
Unser Paule
Mautlos aber nicht Mutlos
Mautlos aber nicht Mutlos

3. Tag - Hambacher Schloss, Neustadt an der Weinstraße

Heute Morgen war dann tatsächlich auch Stau bei den Waschgelegenheiten. Durch geschickte Ausweich- und Ablenkungsmanöver kamen wir aber zeitgerecht zu unserem Platz in der Duschtasse und am Waschbecken.

Unsere heutige Fahrstrecke 13 km

Gegen 10 Uhr fuhren wir zum Hambacher Schloss, dem Geburtsort der deutschen Demokratie, neben der Frankfurter Paulskirche eines der wichtigsten Symbole der deutscher Demokratiebewegung.

Wir konnten mit dem Wohnmobil bis fast ganz nach oben fahren. Die Parkplätze (49°19'34.30"N, 8° 6'58.75"E) sind direkt neben der Straße und das Parkticket löst man an einem der aufgestellten Automaten. Von da mussten nur ca. 5 Minuten bis zur Burg gehen. Auch hier der Obolus von 4,50 Euro für jeden von uns. Für arme Rentner geben die keinen Nachlass, nur für Schüler und Behinderte. Da ich zu beiden Gruppen nicht gehörte, die eine längst verlassen und die andere noch nicht erreicht, zahlte ich dann die verlangten 4,50. Die Ausstellung ist sehenswert. Wer nicht viel weiß über das Hambacher Fest 1832, der kann seine Wissenslücken anhand der Ausstellung und vor allem der kurzweiligen Aufbereitung schließen.

Die ursprüngliche Anlage stammte aus dem 11. Jahrhundert und gehörte zum Eigentum der Salier. Weil sie an strategisch günstiger Lage auf dem Hambacher Schlossberg errichtet wurde, beherrschte sie sowohl als Schutz- wie auch als Raubritterburg die sich bei Neustadt kreuzenden Handelswege und ebenfalls die Nordroute des vorderpfälzischen Abschnittes des Jakobsweges. (Wikipedia)

1832 wurde die Schlossruine durch die viertägige Protestveranstaltung von etwa 30.000 Menschen zum Schauplatz der frühen Demokratiebestrebungen auf deutschem Boden. Sie führten erstmals die Flagge mit den Farben schwarz-rot-gold mit sich („Aus der Schwärze (schwarz) der Knechtschaft durch blutige (rot) Schlachten ans goldene (gold) Licht der Freiheit.“ - so der Spruch aus den Befreiungskriegen 1813 gegen Napoleon). Diese Originalflagge, leider schon sehr verblasst, ist in der Ausstellung zu bewundern.

Anlass war die Unzufriedenheit der pfälzischen Bevölkerung über Repressionsmaßnahmen der bayerischen Verwaltung. Diese hatte in den Jahren nach 1816 wichtige Errungenschaften zurückgenommen, die dem Volk in der Zeit der Besatzung durch Frankreich gewährt worden waren. Nachdem die bayerische Obrigkeit eine strenge Zensur eingeführt und politische Kundgebungen verboten hatte, gaben die Organisatoren die Veranstaltung als „Volksfest“ aus. Die Pfälzer fanden Unterstützung bei zahlreichen anderen Volksgruppen und Einzelpersonen. Seit jenem Fest gilt das Hambacher Schloss als Sinnbild der Demokratie in ganz Deutschland. (größtenteils aus Wikipedia)

In der Ausstellung kann man sich ein Band mit den deutschen Nationalfarben mitnehmen. Es gibt dort auch eine Anleitung, wie man durch entsprechendes Zusammenlegen des Bandes eine Kokarde macht. Für den, der noch kein Grundgesetz zu Hause hat, gibt es ein Exemplar ebenfalls zum obolusfreien Mitnehmen.

Unser nächstes Ziel, Neustadt an der Weinstraße, erreichten wir gegen 13 Uhr. So lange hatten wir uns auf der Burg herumgetrieben. Sie ist von Neustadt an der Weinstraße nur ein paar Minuten entfernt. Einen Parkplatz für unser WoMo fanden wir am Bahnhof. Die Tagesgebühr beträgt 3 Euro. Neustadt ist ein Kleinstädtchen wie viele andere auch - nur dass es halt an der Weinstraße liegt. Ein guter Kaffee und ein kurzer Stadtbummel bevor wir weiterfuhren.

Neustadt besteht aus der Kernstadt Neustadt selbst und neun Ortsteilen: Diedesfeld, Geinsheim, Gimmeldingen, Haardt, Hambach, Königsbach, Lachen-Speyerdorf, Mußbach, Duttweiler.

Ein ca. 60 minütiger Bummel durch Neustadt, während dessen wir die Stiftskirche, den Marktplatz, die pfälzischen Fachwerkhäuser, den Elwetritschenbrunnen, das Wandgemälde „Phantastische Allegorie auf Neustadt und die Lebensfreude“ von Werner Holz bewundern konnten. Für Interessierte soll der unten stehende Link als weitere Information dienen.

Die Stiftskirche

Fachwerkhäuser

Details

Link zum Stadtplan mit Sehenswürdigkeiten

Übrigens ist der Fußballer Mario Basler ein gebürtiger Neustädter, wie auch Erika Köth, die Opernsängerin und der Komiker Bernd Hoecker.

Ich hatte mir für die heutige Übernachtung im Internet einen Stellplatz im Weingut Schäfer in dem Ortsteil Mußbach ausgesucht. 15 Euro für Platz, Strom, Ver- und Entsorgung waren für 50% meiner Familie ok. Die anderen 50% waren mit der gegen Null gehenden Infrastruktur des Stellplatzes und der Umgebung nicht zufrieden. Zum anderen hatte es nun auch angefangen zu regnen, so dass die malerische Lage des Stellplatzes zwischen den Rebenstöcken doch erheblich an Reiz verlor.

Nachdem es zu regnen aufhörte, machten wir einen kleinen Spaziergang in den Ort Mußbach, das wegen unserer suboptimalen Stimmung darüber hinaus auch noch gefühlte 100 km entfernt war. Viele Weingüter, die sicherlich für engagierte Weintrinker eine Oase sind, kennzeichnen das Ortsbild. Mußbach wurde vor über 1300 Jahren gegründet. In dem Weindorf liegt der Herrenhof, ein ehemaliges Johannitergut und ältestes Weingut der Pfalz. Aber uns konnte heute nach dem gestrigen Rosé-Abend kein noch so attraktives Weingut oder keine noch so kreative Einladung zum Wein verkosten verlocken.

Gulaschsuppe, Brot und Weizenbier (BIER!!!!???? - ich weiß um das Verbrechen in einer Weingegend-) rundeten den Abend ab. Nachgeschoben sei noch, dass die Sanitäreinrichtungen auf dem Stellplatz Weingut Schäfer noch sparsamer sind als auf dem Stellplatz in St. Martin. Man muss entweder ganz früh oder sehr spät aufstehen, wenn man Wartezeiten oder geruchsfreudige Toilettenbesuche vermeiden will.

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© Ulrich Schönbein