Unser Paule
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Mautlos aber nicht Mutlos
Mautlos aber nicht Mutlos

15. Reisetag - Rovinj

21.06.2016

Die Nacht war kalt. Im Vergleich zu den Temperaturen in Dubrovnik war es WINTER. Aber das Frühstück hat wie immer für die nicht optimalen Temperaturen entschädigt.

Wir beratschlagten, ob wir nach Rovinj mit dem Bus hineinfahren oder lieber an den Strand gehen. Na ja die Busse fuhren ja den ganzen Tag. Wir entschieden mal bis 11 Uhr zu warten, dann würden wir sehen wie das Wetter war und könnten danach entscheiden.

Fahrstrecke - 0 km für Paule - 6 km für den Linienbus

Wir sind natürlich nach Rovinj gefahren. Wir waren die einzigen Fahrgäste in einem 20-Per-sonen-Bus. Perfekt, kein Gedränge, kein Geschiebe, kein Geschwitze - wir brauchten bei der freien Auswahl von 20 Plätzen fast eine geschlagene Minute, um uns für einen Sitzplatz zu entscheiden. In 12 Minuten waren wir dann in Rovinj.

 

Ein phantastisches Panorama hat sich uns vom Hafen aus gezeigt.

 

Wahrzeichen der Stadt ist der auf dem höchsten Punkt der ehemaligen Insel stehende knapp 60 Meter hohe Kirchturm aus dem 17. Jahrhundert, dessen Vorbild der Campanile in Venedig ist. Auf der Turmspitze thront die 1758 gegossene bronzene 4,70 Meter hohe Statue der Heiligen Euphemia, die drehbar ist und mit der rechten Hand die Windrichtung anzeigt. (Wikipedia)

Panorama von Rovinj

"14:30, 17:30 Rückfahrt. Steht auf dem Schild." rief uns der Fahrer beim Aussteigen mit der unnachahmlich unfreundlichen Art des kroatischen Menschenschlages hinterher. "Hier?" fragte ich beim Aussteigen, "Ja, zum Busbahnhof 2 - 3 Minuten." ließ er mich verdutzt zurück. Also was jetzt? Hier oder am Busbahnhof? Schon war er weg.

Zwischenfazit: Das Land ist herrlich. Allenthalben spricht man auch von der kroatischen Gastfreundschaft. Ich kann da bislang nicht mitreden, weil sie mir noch nicht begegnet ist, die kroatische Gastfreundschaft meine ich. Das macht aber nichts, denn dann habe ich schon meine Ruhe. Aber immer wieder fühle ich mich hier so, als ob wir als Touristen nur stören würden. Sei es bei Fragen oder Sonstigem, immer erfolgt die Antwort oder Reaktion nach dem Motto: >Was ist denn jetzt schon wieder?< Das ärgert mich manchmal und das merkt dann mein Gegenüber und seine Haltung wird noch negativer. Wenn dieser Mangel an Freundlichkeit der kroatische way of life ist, dann werden wir uns wohl nie aneinander gewöhnen.

 

Aber na ja, wir werden für die Rückfahrt schon die richtige Einsteigestelle finden.

Wir machten uns auf den Weg in das kleine Städtchen, das wir schon mal vor 25 Jahren mit un-seren Kindern besucht hatten. Damals hatten wir ein Wohnmobil gemietet - in Dachau, da dort die Mieten wegen der unterschiedlichen Saisons zwischen Bayern und Baden-Württemberg günstiger waren. Damals hätte ich nie daran gedacht, dass wir einmal ein eigenes Wohnmobil besitzen würden. Wir waren damals kurz nach dem Ende des Krieges zwischen Kroatien und Serbien hier. Wir waren unter den wenigen Touristen, die es so kurz nach dem Krieg wagten, das Land zu besuchen. Damals ist mir der heutige kroatische way of life nicht begegnet. Alle waren überaus gastfreundlich, trotz der niedrigen Verdienste. Oder was will man schon bei 20 Pfennig für einen Eiskaffee oder bei 24 DM für ein Abendessen von vier Personen incl. Getränke verdienen? Das waren die Preise damals. Aber es war im Nachhinein betrachtet der richtige Weg, um die Tourismusindustrie wieder zum Laufen zu bringen.

Vorbei an dem Denkmal gegen den faschistischen Terror (das obige Bild rechts nicht das linke) spazierten wir schnurstracks durch die Altstadtgassen zur Kirche der heiligen Euphemia. Dort zündete Elisabeth ein Kerzlein an. Da sie aber statt der verlangten 3 kn nur 5 kn hatte, zündete sie noch eine zweite Kerze an. "Da kommt der Schwob durch" war ihre Begründung. Ich sagte ihr, dass sie für 5 kn nur Anspruch auf 1,75 Kerzen gehabt hätte und nicht auf 2 Kerzen. Sie hätte von einer Kerze 1/3 abtrennen müssen. Wir lachten in der Kirche und zogen dafür kopfschüttelnde zurechtweisende Blicke der anderen Besucher auf uns. Aber die hatten ja nicht einmal eine einzige Kerze gestiftet. So war uns deren fassadenhafte Entrüstung einerlei.

Die Kirche der hl. Euphemia wurde Anfang des 18. Jahrhunderts auf den Grundmauern einer älteren Kirche durch den venezianischen Baumeister Giovanni Dozzi errichtet. Euphemia war eine Märtyrerin zur Zeit des Kaisers Diokletians. Der Legende nach taten ihr die wilden Tiere, denen sie zum Fraß vorgeworfen worden war, nichts zuleide. Sie musste durch einen Dolchstoß getötet werden. Der Sarkophag mit ihren Gebeinen wurde in Byzanz aufbewahrt, verschwand jedoch in den Jahren des Bildersturms. Im Jahre 800 soll er auf wundersame Weise bei Rovinj ans Land geschwemmt worden sein. Seit dieser Zeit werden die Gebeine der Hl. Euphemia in der Kirche von Rovinj in einem Steinsarkophag aufbewahrt. Die Hl. Euphemia wurde zur Schutzpatronin der Stadt und ganz Istriens. (Wikipedia)

Anschließend gings durch die Altstadtgassen immer den Berg hinab bis wir zum Hafen kamen. An den Uhrenturm, der früher der Südturm der Stadtmauer war, konnte ich mich noch gut erinnern. An einer der Eisdielen hatten wir damals den Kindern ein Eis gekauft. Ansonsten war heute der ganze Hafen mit Restaurants und Cafés gesäumt. Da wir jetzt doch schon lange unterwegs waren und uns auch die Füße weh taten, verliesen wir durch die Porta Balbi (benannt nach dem Bürgermeister Daniel Balbi, der das Tor um 1680 erbauen ließ) die Altstadt. Wir genehmigten uns einen Cappuccino und ein Sandwich in einem der zahlreichen Lokale am Hafen und dann gingen wir zur Bushaltestelle, um zurück zu fahren. Wir fuhren von der Haltestelle ab, an der wir auch ausgestiegen waren.

Auf dem Weg zum Bus kamen wir an die-sem Fahrrad vorbei. Wer hätte den Kroaten, so wie wir sie bis jetzt kennen gelernt hatten, so was zugetraut! Wir auf alle Fälle nicht. Ein Fahrrad so herzurichten zeugt von Kreativität, Witz, Humor und auch ein klein wenig Selbstironie. Also schnell ein bisschen von den obigen Postulaten zurücknehmen.

Wir waren auch noch so früh am Nachmittag zurück, dass wir vor dem Abendessen bei dem jetzt am Nachmittag herrlichen Wetter zum Strand gehen konnten. Auf der riesigen Strandwiese standen zahlreiche Liegen, deren Benutzung gratis war. Es war herrlich, so am Strand in der Nachmittagssonne zu liegen. Ich machte wie immer einen kleinen Rundgang und stellte dabei fest, dass die Preise in den Restaurants sich nur unwesentlich von denen er Restaurants außerhalb des Platzes unterschieden und wir kamen schnell überein, am Abend in einem der Platzrestaurants zu essen.

Auf dem Platz sah ich viele Dauercamperanwesen. Mal schöner, mal vernachlässigter, mal mondäner, mal einfacher. Viele Deutsche als Dauercamper. Das sah man an den fast an jedem Eingang befindlichen halbhohen Laternen, die ausnahmslos den Schriftzug einer deutschen Bierbrauerei trugen. Na ja, wem es gefällt.

Unser Abendessen war Pizza und Salat für umgerechnet nur 16,50 €. Das Essen bestand aus:

2 x Pizza, 1 Salat, 1 Bier, 1 Glas Wein. Kann man nicht meckern, oder?

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© Ulrich Schönbein