Unser Paule
Unser Paule
Mautlos aber nicht Mutlos
Mautlos aber nicht Mutlos

2. Tag - Rothenburg o.d. Tauber bis Klepsau

Am Morgen, nach einem opulenten Frühstück, fahre ich über das holprige Pflaster durch das Spitaltor hinaus aus Rothenburg o.d. Tauber.

Einen schmalen Fußweg steil bergab und ich komme zur Evangelischen Tagungsstätte Wildbad. Pilger genießen in unserem Haus besondere Konditionen und können in der Tagungsstätte übernachten. Wollte ich auch, aber es war leider ausgebucht. Man muss sich rechtzeitig anmelden, damit man noch eine Chance auf ein Zimmer erhält.

Zuerst geht der Weg ins Taubertal hinunter, bald darauf allerdings wieder steil nach oben. Schieben war angesagt. Mein erstes Ziel war Schrozberg. Endlich kam ich auf die Höhe und die Weite der Landschaft lies mich den steilen Anstieg schnell Vergangenheit sein. Über diese Hochebene verlief die ehemalige „Hohe Straße“, ein früherer Fernverbindungsweg von Prag nach Paris. Aber so weit wollte ich nicht fahren.

In Schrozberg sehe ich als erstes das große Wasserschloss, in dessen Mauern das Rathaus von Schrozberg untergebracht ist. Im Rathaus bekomme ich auch den Pilgerstempel für meinen Ausweis.

Schräg gegenüber liegt die Jakobskirche. Eine evangelische Kirche, die sich auch in der engeren Umgebung ganz dem Jakobspilgern verschreibt. Eine übergroße Playmobilfigur – zumindest sieht die Statue so aus – steht neben drei übergroßen hölzernen Muscheln und sogar die Begrenzungspfähle zur Straße sind mit Insignien des Jakobskultes geschmückt.

Auf der Hochebene weiter bis Herrentierbach. In der dortigen Marienkirche ergattere ich einen weiteren Stempel für mein Credential.

Auf der sogenannten „Hohen Straße“ gelange ich immer weiter nach Westen und schließlich ins Jagsttal hinab bis nach Mulfingen. In der St. Anna Kapelle steht der sog. Sippenaltar. Manche sagen, dass er aus der Schule der Tilman Riemenschneider stamme. 

Der bunt gefasste Altar ist als Sippenaltar der heiligen Anna gestaltet. In der Mitte der unteren Reihe ist Anna mit ihrer Tochter Maria aus der Ehe mit Joachim zu sehen. Anna und Maria halten das Jesuskind zwischen sich. Links steht die Tochter Maria, die Anna mit Kleophas, ihrem zweiten Mann, bekam. Sie hält ihren Sohn Jakobus im Arm, und zu ihren Füßen sitzt der andere Sohn, Barnabas. Rechts steht die dritte Tochter Maria, die aus Annas Ehe mit Salomas stammte, zusammen mit ihren Kindern Jakobus dem Älteren und dem Evangelisten Johannes.

In der Reihe darüber sind von links nach rechts die Figuren von Zebedäus, dem Ehemann der dritten Tochter Annas, Salomas, Joachim, Joseph, Kleophas und Alphäus zu sehen. Letzterer ist der Ehemann der zweiten Tochter Annas.

Die Seitenflügel zeigen die Söhne der zweiten Tochter Annas, Simon Zelotes und Judas Thaddäus. Diese beiden Märtyrer sind mit ihren Marterwerkzeugen, der Säge und dem Holzknüppel, abgebildet.

Die Predella ziert eine Darstellung Jesu und seiner zwölf Jünger, darunter auch unser Pilgerapostel.

Wenige Kilometer später komme ich auf ebener Strecke nach Ailringen. Jetzt ist es mit dem Radeln in der Ebene vorbei – will ich die am Berg gelegene St. Martinskirche besuchen. Also strample ich bergan.

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Kirche finde ich die spätgotische Jakobsstatue, die zwischen 1470 und 1480 entstand.

 

 

 

 

 

 

 

Und in der ehemaligen Predella Jakobus d. Ältere inmitten der anderen Apostel, die sich beim Abendmahl um Jesus scharen.

 

 

 

 

Ebenso findet sich in der Kirche noch die Statue des Hl. Rochus. Zu erkennen am Pestmal am entblösten rechten Bein. Rochus erkrankte selbst an der Pest. Er „empfahl sich Gott“ und ging in eine einsame Holzhütte im Wald. Dort wurde er der Legende nach von einem Engel gepflegt, und ein Hund brachte ihm solange Brot, bis er wieder genesen war. 

 

 

 

 

Von Ailringen ist es nicht weit bis Hohebach und zu der dortigen Jakobskirche. Leider war die Kirche verschlossen, so dass ich mich mit der Betrachtung der Jakobs-Fensterbilder an der Kirchenfassade begnügen musste.

Fenster oben rechts

Jakobus zeigt Karl dem Großen im Traum einen Sternenweg nach Santiago

"Und sofort sah er (Karl der Große) am Himmel einen Sternenweg, der am Meer in Friesland begann, ... dann ganz gerade ... nach Galicien verlief, wo damals die Gebeine des seligen Apostels versteckt und vergessen begraben lagen. Karl betrachtete diesen Weg Nacht für Nacht und begann sich immer mehr zu fragen, was er wohl bedeuten möge. Während er sich leidenschaftlich mit diesen Gedanken quälte, erschien ihm nachts im Schlaf eine Gestalt von wunderbarstem und schönstem Aussehen, die zu ihm sprach: "Was tust du, mein Sohn?” Karl gab zur Antwort: "Wer bist du, Herr?” "Ich bin der Apostel Jakobus, der Jünger Jesu Christi ... Der Sternenweg, den du am Himmel gesehen hast, heißt dich von hier aus nach Galicien aufbrechen, mit einem großen Heer, um die treulosen Heiden (=Muslime) zu unterwerfen und meinen Weg und mein Land zu befreien sowie meine Basilika und mein Grab zu besuchen. Und nach dir sollen sich alle Völker von Meer zu Meer auf Pilgerfahrt dorthin begeben...” So erschien selige Apostel Karl dreimal." 

Fenster unten rechts

Jakobus und Hermogenes. Ein böser Magier sendet seine dienstbaren Geister gegen den Apostel

Als Jakobus von seiner Missionsreise nach Spanien ins Heilige Land zurückgekommen war; verkündete er dort von neuem das Evangelium. Ein Zauberer aber, Hermogenes mit Namen, wollte ihn der Lügenpredigt überführen und setzte dazu zunächst seihen Knecht Philetus sowie einige Pharisäer gegen Jakobus an. Doch gerade Philetus war von den Wundern und Worten des Jakobus so beeindruckt, dass er zu seinem Meister zurückging und ihm riet, fortan so wie Jakobus zu handeln und zu predigen. Hermogenes geriet in Rage, und machte durch seine schwarze Magie seinen Knecht Philetus unbeweglich. Der rief in seiner Not zu Jakobus, und bekam von diesem ein Schweißtuch übersandt, bei dessen Berührung der Zauber seines Meisters nichtig wurde und der Bann sich löste. Hermogenes wurde noch wütender und befahl seinen bösen Geistern, Jakobus gefesselt vor ihn zu bringen. Die flogen auch sogleich los. Als sie aber in die Nähe des Jakobus kamen, wurde ihnen ganz sonderbar zumute und sie begannen loszuheulen: "Jakobus, heiliger Apostel, erbarme sich unser, denn wir brennen!" Jakobus sprach „Warum seid ihr gekommen?" Sie antworteten:"Hermogenes sendet uns, dich gebunden vor ihn zu bringen. Als wir aber in deine Nähe kamen, kamen Engel Gottes und banden uns mit feurigen Ketten." Jakobus antwortete: "Der Engel des Herrn mache euch los; ihr aber geht hin und bringt Hermogenes zu mir - ebenfalls gefesselt." Eilends flogen die Geister los und brachten ihren Meister gefesselt zu Jakobus. Dann sprachen sie zu Jakobus: "Gib uns Gewalt über ihn, und wir wollen uns an ihm rächen!" Jakobus sprach:"Da steht er - warum greift ihr ihn nicht?" Sie sprachen: "Wir können nicht einmal eine kleine Ameise anrühren, solange sie in deiner Kammer ist." Jakobus sprach darauf zu Philetus und den Geistern: "Laßt uns Böses mit gutem vergelten - geht hin und macht den Hermogenes frei." Also ward Hermogenes frei und stand da in großer Scham. Jakobus sprach zu ihm: "Du bist frei - gehe, wohin du willst, denn gegen den eigenen Willen wollen wir niemand bekehren." Hermogenes antwortete:"lch kann gar nicht fort - meine bösen Geister würden mir ein Leides antun. Gib mir etwas von dir, sonst bin ich verloren!" Da gab ihm Jakobus seinen Stab, und er ging hin und brachte alle seine Zauberbücher vor Jakobus, dass er sie verbrenne, doch Jakobus erklärte ihm, dass diese Gestank der. Gesundheit schade, und hieß ihn alle seine Bücher ins Meer werfen. Dies wird man auf dem linken unteren Fenster unserer Kirche sehen können - und die bösen Geister des Hermogenes, die zu guten wurden, dazu.

Fenster oben links

Die Fahrt des Leichnams Im Boot ohne Ruder

Nach seinem Märtyrertod legen die Jünger des Jakobus den Leichnam in ein Schiff und lassen es ohne Ruder treiben. Es fährt nach Nordspanien, wo Jakobus zuvor missioniert hatte.

Fenster unten links

Der Märtyrertod des Jakobus (Apg. 12,1+2).

"Um jene Zeit aber legte der König Herodes (der Jüngere) Hand an, um einigen von denen, die zur Gemeinde gehörten, Böses zuzufügen. So ließ er Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert hinrichten." Das ist auf diesem Fensterbild zu sehen.

Schade nur, dass die Kirche verschlossen war. Es war nicht weit bis Dörzbach. Das Dorf Dörzbach hat in seinem Wappen Jakobsmuscheln aufgenommen. Dies hat aber weniger mit dem Jakobsweg zu tun als vielmehr mit der Adelsfamilie von Eyb, deren Schloss sich neben der Kirche befindet. Ludwig II. von Eyb, war 1341 ins gelobte Land gepilgert. Die drei Meermuscheln weisen darauf hin, dass er nach Palästina gezogen war.

Bei herrlichem Wetter kam ich am Nachmittag nach ca. 60 km endlich in Klepsau an.

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© Ulrich Schönbein